Die Herren von Seebach

Die Geschichte des Oberhofes wurde seit 1634 durch eine thüringische Adelsfamilie aus der Nähe von Langensalza ge­prägt. Es waren die Herren von Seebach. Am 9. August 1634 stellte Landgraf Georg II. von Hessen seinem Hofrat Ludwig von Seebach als Ausgleich für ausgebliebene Ge­haltszahlungen einen Lehensbrief aus, der ihm auf Lebens­zeit die Nutznießung von derjenigen Hälfte Storndorf zu­sprach, die im Jahre 1600 von Johann Löwenstein, dem letz­ten Vertreter des Oberstammes; an den Landgrafen zurück­gegeben wurde: 1643 erhielt Seebach das Gut als männli­ches Erbleben.
Von 1634 bis 1713, dem Todesjahr Caspar Reinhardts, wohnten in Storndorf also zwei Adelsgeschlechter. Ab 1713 dann, nach dem Aussterben der Unterhoflinie, gab es in un­serem Dorf nicht mehr eine storndorfische und seebachi­sche Hälfte, sondern eine landesherrschaftliche und seeba­chische Seite.
Die Seebacher sahen zwar von Zeit zu Zeit nach ihrem Gut, doch meistens hielten sie sich bei Hofe auf. Die Bewirtschaf­tung ihres Besitzes lag auch unter ihnen in den Händen von Pächtern. 1820 wandelten sie ihr Lehen in freies Besitztum um. Dadurch war es ihnen möglich, das Gut, das offenbar nur wenig abwarf, zum Verkauf anzubieten. Die Gemeinde beschloss daraufhin, den Hof zu erwerben, um die Entwick­lung Storndorfs positiv zu beeinflussen. Trotz aller Anstrengungen zerschlugen sich jedoch die Verhandlungen. 
Schließlich verkauften die Seebacher im Jahre 1824 den Oberhof an ein Alsfelder Konsortium, genannt „Koch und Konsorten" und verließen Storndorf. Verwaltet wurde das Gut zunächst von dem Landwirt Schwarz, einem Mitglied des Konsortiums, anschließend von einem Pächter namens Habermehl aus Wallenrod. Nachdem es dann noch zweimal den Besitzer gewechselt hatte, kauften am 11. Juli 1869 13 Storndorfer das Gut und teilten es unter sich auf.
DEGGAU kommentiert den Verkauf folgendermaßen: "Für die Entwicklung Storndorfs ist die Zerschlagung des oberen Gutes besonders wichtig. Ohne sie wäre wohl heute (Beginn des 20. Jahrhunderts) kaum ein Bauer in Storndorf. Schon seit Anfang des 19. Jahrhunderts waren verschiedene Versuche gemacht worden, den Einwohnern Storndorfs zu mehr Land zu verhelfen. Sie waren fehlgeschlagen und erst jetzt (…) gelang der Kauf (und damit) ein Aufschwung Storn­dorfs, der bisher aus Mangel an Land unmöglich gewesen war, sodass Storndorf hinter manchem anderen Dorf zurück­stehen musste."

Die Schlacht an der Stegwiese

Gleich nach dem Verkauf wurden die 13 Storndorfer in einen Prozess  wegen Eigentumsverletzung verstrickt.  Wahrscheinlich hatte der letzte Pächter des Hofes (Daniel Kännel) zu seinen Gunsten allerlei Gegenstände aus dem Hof veräußert, die ihm nun nicht mehr gehörten. Dadurch kam es einmal zu einer großen Schlägerei, der Schlacht an der Stegwiese.

Dort stand auf einem Acker der Weizen gerade auf Haufen, und sollte nach Groß-Felda gebracht werden zu Kaspar Völsing, an den Kännel die Frucht verkauft hatte. Schon waren die Fuhrwerke da, als einige der Käufer davon erfuhren und sich dem Vorhaben des Pächters widersetzten. Mit Händen und Füßen und allen möglichen landwirtschaftlichen Werkzeugen drang man aufeinander los. Pächter Kännel verlor damals den Prozess und die Gesellschaft bat, ihn, zur Bezahlung der Prozesskosten möglichst bald zu verurteilen, weil er nach Amerika auswandern wollte.

Abriss des Schlosses

Von 1837 bis 1845 war der Obere Hof in Besitz von Wilhelm Keudel aus Liederbach. Dieser war hochverschuldet, als er in 1845 sein Besitztum an das Frankfurter Handelshaus Bolongaro verkaufte. Vorher machte er noch zu Geld, was irgendeinen Wert hatte. So riss er z. B. das alte Seebachsche Schloss ein und verkaufte die sehr starken Eichenbalken und die noch brauchbaren Steine aus dem Abbruch. Heute ist deswegen von dem Schloss nur noch ein Gewölbekeller übrig geblieben, über dem die Scheune des inzwischen verkauften Anwesens Steuernagel (Schrimpf, vorher Kraft) errichtet wurde.

Der Gewölbekeller ist sehr sehenswert und beliebte Endstation bei Dorfrundgängen, die von Lothar Dymianiw angeboten wurden und werden. Der nächste Dorfrundgang ist für den 25. Mai 2013 geplant.

 

 


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