02. September 2017 - Ortsgeschehen

Quelle: OZ Alsfeld 02.09.2017

"Europameistertitel" geht nach Storndorf

PRACHTFINKEN Mit neun Jahren feiert Niklas Lenz bereits seinen zweiten großen Erfolg bei den Nachwuchszüchtern bei den Exoten

Niklas präsentiert seinen Siegervogel - sieben Spitzschwanzamadine hat er in Karlsruhe ins Rennen geschickt. Foto: Dickel

STORNDORF - Der neunjährige Niklas Lenz aus Storndorf ist derzeit mächtig stolz. Er ist Jugendeuropasieger auf der Vogelschau in Karlsruhe geworden. Gefeiert hat Niklas bereits am Tag vor der Siegerehrung, als die Familie vorab die Nachricht während einer Hochzeit erhielt. Familie und Freunde freuten sich gemeinsam mit Niklas, berichtet Mutter Bianca Lenz.

Dabei tritt er in die Fußstapfen seines Vaters Michael, der seit seiner Jugend exotische Vögel aus Australien und Neuseeland züchtet. "Letztes Jahr bei der Landesschau hat er die Vögel vom eigenen Papa besiegt", erzählt seine Mutter. Damals durfte er erstmals ausstellen. Denn um mitmachen zu dürfen, muss man mindestens acht Jahre alt sein. Seit Niklas sechs Jahre alt ist, züchtet er seine eigenen Vögel und das mit Erfolg. Am vergangenen Wochenende feierte er seinen nächsten Triumph. Einer seiner sieben ausgestellten Spitzschwanzamadine aus der Gattung der Prachtfinken setzte sich gegen 1161 Vögel von 95 Züchtern in seiner Kategorie auf der Europaschau in Karlsruhe durch.

Beim Betreten des Hauses in Storndorf deutet nichts darauf hin, dass die Familie unter ihrem Dach bis zu 200 Vögel beherbergt. Das sind neben den Spitzschwanzamadinen noch Ringelamadinen und Ziegensittiche. Gezwitscher ist nicht zu hören. Auf dem Dachboden stehen die Volieren und mehrere kleinere Käfige. Als die Tür sich öffnet, wird es dann doch laut und die Vögel begrüßen mit ihrem Gesang den für sie ungewohnten Gast. Wenn Niklas oder sein Vater zu ihren Tieren kommen, fällt die Begrüßung deutlich moderater aus. "Sie kennen uns und sind daran gewöhnt", erklärt Vater Michael Lenz. Täglich kümmert sich Niklas etwa eine halbe Stunde um seine Prachtfinken, schätzt der Neunjährige. Neben dem Futter benötigen die nur etwa 17 Gramm schweren Tiere jede Menge Wasser. Käfige reinigen gehört natürlich auch dazu, aber das muss nicht täglich gemacht werden. Bevor Vater und Sohn einige Vögel für eine anstehende Ausstellung auswählen, haben sie zusätzliche Arbeit. "Die Vögel müssen trainiert werden, damit sie sich den Kampfrichtern präsentieren und nicht wild im Käfig herumfliegen", erklärt der Vater. Niklas zeigt, wie er ein Tier auswählt und einfängt. Bei seinen Spitzschwanzamadinen kommt es auf einen besonders roten Schnabel, einen gleichmäßigen Latz (Brustgefieder) sowie zwei Spieße (Schwanzfedern) an, erklärt der Vater einige Bewertungskriterien.

Im Winterhalbjahr sind die Leistungsschauen. Zusätzlich beginnt die Brutzeit und somit die neue Zucht im Oktober. "Die Paare müssen nach Vererbung und Farbe zusammengestellt werden", weiß Niklas. Dann verbringen Vater und Sohn noch deutlich mehr Zeit mit den Tieren und sind zudem an den Wochenenden in ganz Deutschland auf Vogelschauen unterwegs. "Wir haben das Glück in der Mitte Deutschlands zu wohnen, da sind die Wege nicht so weit", sagt Michael Lenz. Zudem achten sie auf das Tierwohl. Auf mehr als drei Schauen kommt kein Tier im Jahr. Denn das bedeute schließlich Stress für die Vögel. Außerdem verzichten sie auf den Besuch der Weltschau, weil sie den Finken eine mehrtägige Reise durch Europa nicht zumuten möchten.

Aber auch zu Hause bleibt es für die Züchter spannend und es gibt während der Aufzucht genug zu tun. In der Zeit wenn die Eier befruchtet sind, kommen schon mal die Kindergartenkinder oder die Grundschüler vorbei. Mit der Taschenlampe sieht man, wie sich etwas im Ei tut und das sei für die Kinder immer wieder interessant, bericht Bianca Lenz. Außerdem hat die Familie über den Nestern eine Infrarotkamera installiert. Auf dem Fernseher im Wohnzimmer haben sie dann die Nester im Blick.

Und Niklas fiebert bereits auf den nächsten Höhepunkt hin. Im November ist die Bundesvogelschau in Kassel mit 10 000 Tieren. In Karlsruhe seien es dagegen nur etwa 3000 Tiere gewesen und Kassel sei die größte Veranstaltung, ihrer Art in Deutschland, die im letzten Jahr aufgrund der Vogelgrippe habe ausfallen müssen. "Wenn ich da gewinne, möchte ich wieder in die Zeitung", sagt Niklas.


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