12. März 2018 - Heimische Wirtschaft

Quelle: OZ Alsfeld, 10.03.2018

Innovationspreis für Jürgen Stehr

Der Plattenverdichter im Einsatz in Strebendorf. Foto: Boppert

STORNDORF - (red). Im Rahmen der Jahresfachtagung des Verbandes der Deutschen Baumaschineningenieure und Meister (VDBUM) ist Stehr Baumaschinen aus Storndorf mit einem Innovationspreis ausgezeichnet worden, berichtet das Unternehmen in einer Pressemeldung. Von dem Gremium, dem auch Wissenschaftler von renommierten Universitäten angehörten, wurde das Unternehmen für eine Erfindung geehrt, die ein bekanntes Problem beim Straßen- und Tiefbau löst.

Jeder habe schon einmal bemerkt, dass beim Verdichten mit bekannten Verdichtungsgeräten die ganze Umgebung bebe. Dadurch seien schon oftmals Schäden an Häusern oder elektronischen Geräten entstanden. Um eine Lösung für das Problem zu finden, hätten die weltweit größten Hersteller hohe Summen in die Entwicklung investiert, aber eine zufriedenstellende Lösung sei nicht gefunden worden. Dieses Problem habe es auch beim Ausbau der Ortsdurchfahrt in Strebendorf gegeben, mit direkt angrenzenden Häusern und landwirtschaftlichen Gehöften. Bereits im Vorfeld sei festgestellt worden, dass an Hauswänden schon gravierende Schäden durch Risse entstanden seien. Deshalb hätten sie vor Baubeginn bereits gesichert werden müssen. Um größere Schäden bei der Bauausführung auszuschließen, habe die Firma Strassing aus Bad Soden-Salmünster, ein führendes Unternehmen im Straßenbau, die Verdichtungsgeräte von Stehr eingesetzt. Unter der Aufsicht von Hessen Mobil seien Messergebnisse bereits nach zwei Überfahrten bei Schütthöhen von 30 Zentimetern Basaltkörnung erreicht worden, die weit über den geforderten Werten gelegen hätten. "Und das alles ohne merkbare Schwingungen in der Umgebung. Das konnte anhand eines in unmittelbarer Nähe an der Verdichtungsmaschine platzierten vollen Wasserglases eindrucksvoll unter Beweis gestellt werden", berichtet Inhaber Jürgen Stehr. Wenn der Test direkt neben einer Walze durchgeführt werde, falle das Glas sofort durch die unkontrollierten Schwingungen um.

Stehr habe bewiesen, dass nur durch die zu 100 Prozent vertikal nach unten eingeleiteten Verdichtungskräfte eine enorme Energieeinsparung zu erreichen ist, teilt das Unternehmen mit. Dadurch seien die Verdichtungsgeräte, angebaut an Radlader oder Traktoren, auch beim Straßenbau in sensiblen Baugebieten - insbesondere innerhalb von Ortschaften mit alter Bausubstanz - anderen Verdichtungssystemen überlegen. Um den Verdichtungsvorgang dem Geräteführer optisch anzuzeigen, sei gemeinsam mit der Firma Procon automatic-systems aus Mücke ein Messsystem entwickelt worden, das den Verdichtungsvorgang an Ort und Stelle über GPS dokumentiere und sämtliche relevanten Daten auf einen in der Fahrerkabine befindlichen Bildschirm übermittelt.

Zudem habe Stehr unlängst eine weitere Erfindung auf den Markt gebracht. Eine Grabenfräse zum Verlegen von Kabeln. In Zeiten des Glasfaserausbaus sei die Fräse in ganz Europa gefragt. Aber auch im Vogelsbergkreis gebe es viel zu tun. Daher arbeite Stehr in einem engen Firmenverbund mit Krug Metallbau in Romrod, Rössner Maschinenbau in Alsfeld, Ott Konstruktionen in Ohmes und ProCon in Sellnrod zusammen.

Über 70 Patente habe Stehr bereits, die Firma hebt jedoch den neuen Plattenverdichter hervor. "Mit dieser Erfindung haben wir es den Großen gezeigt: Kaum merkbare Erschütterungen im Umfeld. 50 Prozent weniger Kraftbedarf. 50 Prozent weniger Schadstoffausstoß bei dreifacher Leistung. Das hat sogar das Europäische Patentamt überzeugt, das uns als Anerkennung dafür 2017 ein Europäisches Patent erteilte", sagt Jürgen Stehr.

Die vollen Auftragsbücher würden allerdings zu langen Lieferzeiten führen. Deshalb werde gerade in Storndorf eine neue Fertigungsstraße zur Montage der Plattenverdichter erstellt. Da auf dem hiesigen Arbeitsmarkt keine Fachkräfte, nicht einmal Hilfsarbeiter, die man anlernen könnte, zu bekommen seien, gehe Stehr jetzt neue Wege. Dazu habe er in Storndorf den ehemaligen Gasthof "Storndorfer Hof" gekauft und zu Wohnungen ausgebaut. "In diese werden bereits in Kürze die ersten ausländischen Mitarbeiter einziehen", sagt Stehr.


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