24. Oktober 2021

Quelle: OZ Alsfeld 25.09.2021

Fledermauspopulationen sterben aus

Thomas Steinke setzt sich als Leiter der AG Fledermausschutz vom NABU für den Erhalt der Tiere ein / Noch 17 Arten im Vogelsberg / Fledermaus vertilgt pro Nacht 3000 Mücken

STORNDORF (mpe). Im Rahmen seines engagierten Schutzes für die zu den ältesten Säugetierarten der Welt zählenden Fledermäuse, leitet Steinke seit 2006 die „AG Fledermausschutz“ vom NABU Kreisverband Vogelsberg. Unermüdlich ist er auf der Suche nicht nur nach Menschen, die seinen sämtlich auf der Roten Liste stehenden Schützlingen Unterschlupf bieten, sondern insbesondere nach den auch im Vogelsberg immer seltener werdenden Exemplaren selbst. Lustig sehen sie aus, die „Batmans“, mit ihren vergleichsweise riesigen Ohrmuscheln, mit ihren filigran gemusterten und gekrümmten Flügeln, falls man überhaupt mal einen der hektisch wirkenden Flieger in Ruhestellung zu sehen bekommt.

Aufmerksame Beobachter allerdings bemerken sie schon, diese umtriebigen Schatten, die besonders auf dem Land im Sommer in der Dämmerung in einem rasanten Tempo vorbei huschen. Mit ihren schnellen Flügelschlägen und ihren halsbrecherischen Steilxurven jagen sie durch die Luft wie Kunstflieger bei einer Luftfahrtschau. Dabei orientieren sich Fledermäuse ähnlich wie Wale und Delfine mit einer sogenannten „Ultraschall-Echoortung“, unter Landtieren sind sie bis heute bekannt als die einzigen, die ein solches „Navi“ immer bei sich „an Bord“ haben. Heißt, dass Fledermäuse Laute von sich geben, die an Hindernissen „abprallen“ und aufgrund von Schallgesetzen zu ihnen zurückkommen. Auf diese Weise können sie genau kalkulieren, wie sie etwaige Zusammenstöße vermeiden können.

Dass es allein in Hessen nur noch 20 Fledermausarten gibt, im Vogelsberg sogar nur noch 17, das stimmt nicht nur Thomas Steinke nachdenklich. Seit 1950 bis in die 1970er Jahre habe man einen denkbar massiven Einbruch ihrer Population beobachten können, an vielen Stellen seien in dieser Zeit mehrere Fledermausarten komplett verschwunden. Gründe hierfür waren damals im Wesentlichen eine Änderung und Intensivierung der Landnutzung, ebenso der exzessive Einsatz von Giftstoffen in der Land- und Forstwirtschaft, aber auch in zahlreichen anderen Lebensbereichen. „Man denke nur an damalige Mittel und Methoden der Holzimprägnierung in den Häusern.

Oder etwa an hochgiftige Unkraut oder Schädlingsvernichtungsmittel, die vielfach auch von Hobbygärtnern genutzt wurden“, fügt Thomas Steinke hinzu. Zudem lösten Monokulturen mehr und mehr abwechslungsreiche Flora ab, des Weiteren wurden durch Drainagen und Flussbegradigungen Landschaften zunehmend entwässert. All das führte nicht zuletzt zu herben Verlusten von Lebensräumen, weitere Folgen seien bis heute unter anderem zum Beispiel das Massensterben von Insekten. Das wiederum bedeute für die Fledermaus: „Keine Nahrung mehr. Noch nie habe ich so viele tote ganz junge Fledermäuse in den drei hier bekannten Wochenstuben im Vogelsberg gefunden wie in diesem Jahr.“ Das berichtet der Experte von seinen Betreuungen, die er ehrenamtlich ganzjährig durchführt.

Eine einzige Zwergfledermaus zum Beispiel vertilge in einer Nacht bis zu 3000 Mücken und andere kleine Insekten. Aber: Ohne Rücksicht auf Gebäudebrüter wie Fledermäuse oder zum Beispiel Mehlschwalben, werde weiterhin solchen Tieren allein durch Maßnahmen zur Wärmedämmung jegliche Chance für einen Unterschlupf beziehungsweise für einen Brutplatz verwehrt. Thomas Steinke fügt weiter hinzu: „Windenergieanlagen, so notwendig sie zur Umstellung unserer Energiegewinnung sind, zeigen neue Gefahren nicht nur, aber besonders auch für Fledermäuse auf.“ Viele getötete Tiere in der Nähe der Rotorblätter, meist verursacht durch das Barotrauma, also tödliche Schädigungen der inneren Organe durch die starken Luftdruckschwankungen, ließen sich durch sorgfältige Untersuchungen der jeweils geplanten Standorte und ebenso zum Beispiel durch die konsequente Umsetzung von Abschaltzeiten vermeiden“.

Was die Gefahr von zunehmenden Pandemien angeht, sieht Thomas Steinke vorrangig diesbezügliche Ursachen durch das Eindringen des Menschen in letzte unberührte Lebensräume wie insbesondere auch durch unsachliche und unwürdige Haltungsbedingungen von Tieren.

Nachdenklich lässt der Naturschützer seine Zuhörer zurück. Weiter wird er Ausschau halten nach Fledermäusen. Nach Menschen, die ihnen gut sind, die ihnen verschiedenste Quartiere bieten mögen, ob Zwischenquartiere in kleinsten Ritzen und Spalten zwischen gemauerten Steinen, ob in alten Obstbäumen mit dicken Löchern in ihren runzeligen Stämmen. Nicht schlecht wäre ein frostfreies Winterquartier oder vielleicht sogar ein Platz für eine Wochenstube, in der Fledermaus-Mamas fürsorglich ihre Nachkommen großziehen können.

In jedem Fall würden Helfer unterstützt, von Boden-Schutzplanen bis hin etwa zu Bausätzen für ein kleines „Fledermauswohnzimmer“. Last not least, wie in diesem Falle kürzlich in Wallersdorf geschehen, besteht die Möglichkeit der Auszeichnung für ein „Fledermausfreundliches Haus“.


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