24. Februar 2020 - Ev. Kirchengeneinde

Quelle: OZ Alsfeld 22.02.2020

Liebe im Mittelpunkt

Liebe

Hubertus von Krosigk und Friederike von Krosigk verliehen den Liebenden Gestalt und Stimme. (Foto: Schlitt)

STORNDORF - (red). „… und hätte ich der Liebe nicht, so wäre ich nichts.“ Die Liebe, so alt wie die Menschheit, so wundersam, so vielschichtig. Viel besungen und beschrieben und in Zeiten des Valentinstags außerdem gut für jede Menge Konsum. Doch das ist die Liebe nicht. „Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf.“ Das Kapitel 1 des Korintherbriefes ist ein Hymnus über die Liebe und genau sie rückte das Gruppenpfarramt im evangelischen Dekanat Vogelsberg nun in den Vordergrund, heißt es in einer Pressenotiz.

Die Liebe zwischen Mann und Frau, die erste, die körperliche, die verlorene, die sinnlose und schmerzhafte. All diese Facetten stellte das Ensemble Theatrum in einer sehr berührenden Aufführung in der evangelischen Kirche in Storndorf dar – eingebunden in biblische Texte, miteinander verwoben durch Weltmusik und inszeniert vor einer berauschenden Kulisse, einer Wüstenlandschaft, die Möglichkeit zum Spiel mit Licht und Schatten bot, sei es, um die Kirche in ein warmes Sommerlicht zu tauchen oder um ein Schattenspiel der Mitwirkenden hinter den Kulissen zu ermöglichen.

Von Beginn an verzauberte die Musik von Eva Gerlach-Kling am Klavier und der Orgel und Rainer Schwander an einer ganzen Auswahl von Instrumenten, darunter das Hackbrett und das Gemshorn, die Zuschauer in der voll besetzten Kirche. Die Musiker hatten für ihren Teil der Inszenierung verschiedene Musikstücke ausgewählt und scheuten sich nicht, schon in der Ouvertüre die Aria aus den Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach mit dem Stück „Samai Hudjazkarkurd“ von Tatious Effendi zu kombinieren. Stücke aus Europa, verbunden mit arabischer Musik, später auch mit Klezmer verschiedener Herkunft unterstrichen die Bedeutung der ausgewählten Texte: In allen drei monotheistischen Religionen ist das Hohe Lied der Liebe bekannt und zuhause, wie Pfarrerin Dorothée Tullius-Tomášek in ihrer Einführung erwähnte.

Abwechselnd mit der Musik stellten die Schauspieler Friederike von Krosigk und Hubertus von Krosigk die inszenierten Worte dar. Mit einem Gedicht aus Persien starteten sie in den Reigen aus Kennenlernen, Annäherung, auch aus Zweifel und Angst: „Bisweilen sind wir sichtbar, bisweilen verborgen, bisweilen Moslems, Christen oder Juden. Wir durchlaufen viele Formen, bis unser Herz Zufluchtsstätte wird für alle.“ Schon da wurde deutlich: Die Liebe ist mehr als die zwischen einzelnen Menschen, immer geht es auch um die universelle Liebe der Menschen untereinander. War man eingangs überrascht über die ungewöhnlichen Zusammenspiele von Musikinstrumenten – beispielsweise von Klavier und Hackbrett –, so stellten gerade diese überraschenden Kombinationen gewissermaßen musikalisch die gelungene, geradezu hoch erfreuliche Verbindung von zunächst Unterschiedlichem dar, das sich in der Gemeinsamkeit zu einem Neuen vereint.

Hinter der lichtgetränkten Kulisse erscheint der Schatten eines Schreibers – mit einer großen Feder bringt er seine Zeilen auf eine Papyrusrolle. Er tritt hervor, begleitet von den Klängen einer schönen weiblichen Stimme, die sich ihm nähert. „Wer ist sie, die hervorbricht wie die Morgenröte, schön wie der Mond, klar wie die Sonne, gewaltig wie ein Heer? Verzaubert hast du mich …“ Eine Liebe beginnt. Sie wird begleitet von der sich erhebenden Natur, die anhand zweier Bäume zur rechten und linken Seite dargestellt ist. Mit ihren warmen Farbtönen und der gleichmäßigen gewellten Wüstenlandschaft ermöglicht die Szenerie, gemalt von Nikoline F. Kruse, dem Zuschauer ein sanftes Eintauchen in die Weite der Mystik.

Aus verschiedenen biblischen Stellen haben die Akteure des Ensembles Theatrum die Geschichte einer Liebe gemacht. Sie blüht auf und gerät in Gefahr, bis sie neu erstehen kann.

Mit Melodien, mit Gesang und Tanz werden die Textsequenzen begleitet. Die Instrumente fließen geradezu ineinander, und der Tanz ermöglicht den Zuschauern ein Innehalten, einen Moment, in dem Bild, Worte und Musik wirken, sich setzen können. So entspannt sich eine Reise durch die vielen Möglichkeiten und Facetten von Liebe. Eine Reise, die die Zuschauer in der Kirche in aller Ruhe und Muse begleiten konnten. Zum Abschluss erklang sie dann, die Essenz des Abends, entnommen dem Hohen Lied der Liebe: „Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf.“


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