13. April 2020 - Gruppenpfarramt Vogelsberg - Tägliche Andacht

von Pfr. Peter Weigle

Predigt für Ostermontag 2020

Lukas 24.36-45: Als sie aber davon redeten, trat er selbst, Jesus, mitten unter sie und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch! Sie erschraken aber und fürchteten sich und meinten, sie sähen einen Geist. Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so erschrocken, und warum kommen solche Gedanken in euer Herz? Seht meine Hände und meine Füße, ich bin's selber. Fasst mich an und seht; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr seht, dass ich sie habe. Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und Füße. Als sie aber noch nicht glaubten vor Freude und sich verwunderten, sprach er zu ihnen: Habt ihr hier etwas zu essen? Und sie legten ihm ein Stück gebratenen Fisch vor.

Und er nahm's und aß vor ihnen. Er sprach aber zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Es muss alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose, in den Propheten und in den Psalmen. Da öffnete er ihnen das Verständnis, sodass sie die Schrift verstanden.

Liebe Schwestern und Brüder, In seltenen kostbaren Momenten scheint die Wirklichkeit Gottes in unserer Welt auf. Manchmal verwandelt sich die Welt mit einem Schlag und auch wir sind nicht mehr dieselben. So veränderte das Leben Christi das Leben seiner Jünger, so gestaltet sich für die, die Gott erfahren, ihre Welt neu – auch in unseren Tagen noch. Das gab und das gibt es!

Was sich aber nach dem Tod Jesu ereignet, das sprengt auch die Erwartungen und die Lebenserfahrungen der Jünger. Eben noch schien ihr Traum von einem größeren, besseren, liebe-volleren Leben durch Jesu Hinrichtung zerplatzt - und nun bewahrheitet sich alles auf eine Art, die alle bisherigen Erfahrungen sprengt und übertrifft. Christus ist auferstanden! Und er zeigt uns, welcher Welt wir wahrhaft zugehören.

Lukas schildert die Bestürzung, das ungläubige Staunen und den ängstlichen Zweifel der Jünger. Sie lassen kein spontanes Halleluja erschallen. Zunächst sind da erst einmal Angst und Zweifel.

Für den Erzähler Lukas selbst ist das alles weniger erstaunlich, wer über Wind und Wasser gebietet, Macht über Dämonen hat und Krankheit und Tod heilend außer Kraft zu setzen vermag, in dem ist Gottes Schöpfermacht wirksam und lebendig. Indem Lukas aber Angst und Zweifel der Jünger schildert, nimmt er sich der Zweifel seiner Zeitgenossen an und sucht sie auszuräumen.

Die trauernden Jünger knabbern eben noch an Zweifeln und geplatzten Träumen und nun wird offenbar: alles, wofür Jesus stand, bleibt gültig und wahr. Im Gegenteil, jetzt erweist sich erst vollends, aus welcher Kraft Jesus gespeist war und immer noch ist. Und Jesus tadelt das Unverständnis und die Furcht der Seinen nicht. Verständnisinnig macht er es seinen Jüngern leicht, das für unmöglich Gehaltene zu begreifen. Seht meine Hände und meine Füße, ich bin kein Geist, kein Hirngespinst, sondern aus Fleisch und Blut wie ihr. Und um das zu unterstreichen, präsentiert er sich mit allzu menschlichen Bedürftigkeiten, bittet um Speis und Trank. Wer mit dieser zugewandten Vertrautheit ohne Tür ins Haus fällt, der muss derjenige sein, der ihnen näher steht als sie sich selbst. Ja, das ist ihr Rabbi und Meister, Bruder und Vertrauter, Weggefährte und Freund. Er zeigt seinen menschlichen Appetit und schlüpft auch sogleich wieder in die wohl vertraute Rolle dessen, der ihnen die Schrift auslegt. Alles muss und wird erfüllt werden, sagt er ihnen zu, jetzt erst erkennt ihr die ganze Tragweite meines Lebens und Sterbens. Das alles ist folge-richtig und wahr und es bewahrheitet sich nun an Euch!

Und auch wir werden mit hineingenommen. Da kommt kein triumphierender Supermann angeflogen, der dann über die Kleingläubigkeit seiner Jünger herzieht, da kommt einer ganz menschlich, ganz zugewandt und weiter eröffnend, welche Wahrheit in der Überlieferung der Schrift aufbewahrt ist.

In den gegenwärtigen Zeiten im Zeichen des Corona-Virus, da plötzlich und unerwartet unsere ganze Welt umgekrempelt wurde, tut es gut das zu hören und zu erfahren: es bleibt alles war!

Bei all dem Katastrophalen und all der verordneten Ferne erfahren wir gerade in diesen Tagen mehr an Solidarität und tätiger Nächstenliebe in unserer Gesellschaft denn je. Wir werden zwar zurückgeworfen auf uns selbst, aber gerade darin bestätigt sich uns wie wertvoll Freundschaft und Nähe, Gemeinschaft und geselliges Beisammensein sind, und was für ein Glück es ist, zu lieben und geliebt zu werden. Gerade in diesen Tagen der Gefahr spüren wir wie kostbar das Leben ist und dass wir seine Möglichkeiten, ja unsere Möglichkeiten als Menschen mit- und füreinander noch gar nicht ausgelotet und ausgeschöpft haben. Welche Welle der Kreativität, welche Kraft zur Erneuerung und zum Erlernen neuer Lebenswege werden in diesen bedrohten Tagen deutlich. Nie war so viel Auferstehung spürbar in diesem unseren bedrohten Leben wie in diesen Tagen.

Sei Du ein Teil davon und teile Gottes Liebe aus! Jetzt erst recht!
Lebe Auferstehung, gerade jetzt, und helfe anderen auf!
Und erinnere Dich und lebe aus, wie kostbar Gemeinschaft und Miteinander sind.
Wir sind verbunden, miteinander und mit Gott, selten war es wichtiger, das wieder zu leben und aufleben zu lassen.
Sei getragen von der Auferstehung – jetzt und alle Tage!
Amen

Großer Gott,
lass mich nicht ins Bockshorn der Angst jagen,
schenke mir Mut und Zuversicht und Kraft,
den gegenwärtigen Herausforderungen zu begegnen
und lass mich nicht weniger lieben, sondern mehr,
lass mich nicht beklagen, was mir vorenthalten ist und wird,
sondern mache mich zu vorkommend und erfinderisch darin,
ihnen meine Liebe zu zeigen.
Wir feiern das Fest Deiner Auferstehung,
gib, dass ich auferstehe mit Dir
aus den Ruinen der Ängste und Befürchtungen,
dass ich auferstehe mit Dir zu neuer Kraft und neuem Lebensmut.
Schütze und bewahre mich und alle die, die mir lieb sind,
ja schütze auch die, die mir nicht lieb sind
und schenke mir die Kraft, auch an ihnen liebenswertes zu entdecken.
Ich will kein Heiliger werden,
aber ich will mehr Mensch sein –
auch für Dich und mit Dir,
gib Du dazu Deine Segen und Deine Kraft
Amen

 

 

Dir,
liebe Schwester, lieber Bruder,
Gottes Segen,
seine Kraft sei mit Dir und in Dir
und wirke aus Dir heraus.
Sei geborgen und bewahrt in Gottes Liebe
jetzt und alle Tage –
Amen