23. Juni 2020 - Gruppenpfarramt Vogelsberg - Tägliche Andacht

von Pfr. Peter Weigle 

Die Frucht der Gerechtigkeit aber wird gesät in Frieden ...

Die Frucht der Gerechtigkeit aber wird gesät in Frieden für die,
die Frieden stiften. - Jakobus 3,18

Gerechtigkeit ist ein Obst,
dessen Anbau selten gelingt.

Und was ist gerecht?

Ich denke dabei
vor allem an die Verteilung von Ressourcen.

Die finde ich
allerdings sehr ungleich verteilt.

Aus persönlicher Betroffenheit
denke ich dabei als erstes
an unseren Körper, unser Aussehen.

Bei mir hat sich der Herr
schon mit der Schönheitsdosis
sehr zurückgehalten,
mir schaut niemand pfeifend nach,
bei mir schaut man eher weg.

Ist das gerecht?
Ich wäre so gerne schön gewesen.

Als Kind dachte ich immer,
ich sei im falschen Körper geboren,
ich war nicht schwarz,
nicht mal Indianer.

Dass gerade Weiße
es besser haben
gerade als Mitteleuropäer
war mir damals nicht bewusst.
Ungerechtigkeit von Geburt an.

In dem Dorf,
in dem ich aufwuchs,
galt ich als reich.
In der großen Stadt,
auf dem Gymnasium
galt ich als arm.

Es ist angenehmer
zu den Bevorzugten zu gehören.

Das weiße wohlhabende Kind,
das ich war,
genoss eine gute Bildung,
wuchs auf ohne materielle Sorgen.
Als Kind hegte ich
(ich schäme mich)
Verachtung für Dümmere,
Ungebildete.

Gerecht wäre eine Welt,
in der die ungleich verteilten Startchancen
ausgeglichen würden,
aber wie soll das gehen
bei mangelnder Schönheit
oder mangelndem Grips?

Die Welt ist ungerecht
und wird es bleiben.