24. August 2020 - Gruppenpfarramt Vogelsberg - Tägliche Andacht

von Pfr. Peter Weigle

Als Jesus in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen ...

Als Jesus in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Alabastergefäß mit unverfälschtem, kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Gefäß und goss das Öl auf sein Haupt. Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls? Jesus aber sprach: Lasst sie! Was bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. - Markus 14,3-4.6

Da sitzen sie wieder einmal beisammen,
wieder so eine Rast
irgendwo in dem Haus eines Freundes,
der als Aussätziger
nicht viele Gäste gehabt haben wird.

Die Zahl der Freunde Jesu
soll bald kleiner werden,
die Gegner formieren sich
und schmieden ihre Mordpläne.

Die Jünger um Jesus
wollen noch möglichst viele
wesentliche Worte des Meisters aufsaugen,
und dann stört eine Frau
die Runde der bedeutsamen Männer.

Sie bringt kostbarstes Salböl mit,
ein Öl für Könige,
sündhaft teuer.
Die Sünde wird alsbald moniert.
Was hätte man damit alles
Großartiges bezwecken können.

Die Begleiter Jesu
entpuppen sich
angesichts dieser großzügigen Frau
als moraline Erbsenzähler,
als Prinzipienreiter.

Während die Freunde Jesu
letzte Weisheiten sammeln wollen,
will die Frau
einen letzten Liebesbeweis schenken,
dafür ist ihr nichts zu schade.

Jesu Entourage fühlt sich gestört,
Jesus selbst weiß sich geehrt
und ist gerührt.

Diese Verschwendung aus Liebe
entspricht Gott weit mehr
als das berechnende Wesen
seiner vermeintlichen Anhänger.
Sie fragen nach dem
höchst zu erzielenden Output,
wischen die überbordende Liebe
als bedauerliche Vergeudung beiseite.

Die Jünger wollen alles haben,
die unbekannte Frau alles geben.

Die wahren Helden der Geschichte
bleiben unbekannt,
meist sind es Frauen.