21. Februar 2021 - Ev. Kindergarten

Im Gespräch

Kindertagesstättenleiterin Emilia Miller berichtet über die Situation im Ev. Kindergarten „Haus der kleinen Füße“ während des „Lockdowns“

In der örtlichen Presse und in den Medien war in der letzten Zeit wiederholt die Betreuung in den Kindergärten ein Thema. Wie sieht die Betreuung im „Lockdown“ in der Storndorfer Kindertagesstätte aus?

Miller: Zur Zeit werden durchschnittlich 10-12 Kinder im Alter von 3-6 Jahren in einer Gruppe und ca. 5-6 Kinder in der Krabbelgruppe (Kinder ein und zwei Jahre alt) in der Notbetreuung betreut. Der gewohnte Tages- und Wochenrhythmus wird beibehalten, um den Kindern Sicherheit und Normalität zu vermitteln. Die Mitarbeiterinnen arbeiten im Schichtdienst. Es gelten die regulären Öffnungszeiten.

Wird auch ein warmes Mittagessen angeboten und finden Nachmittagsangebote statt?

Ja die Kinder können wie gewohnt in der Kita Mittagessen. Ca. 10-14 Mädchen und Jungen nehmen dieses Angebot wahr. Nachmittagsangebote finden nach Bedarf statt. Viele Kinder werden schon am frühen Nachmittag aus der Notbetreuung abgeholt.

Haben Eltern dem Kindergarten eine Rückmeldung gegeben, ob die Betreuung Zuhause ein Problem für sie darstellt?

Alle unsere Familien haben sich bemüht, den Appell, die Kontakte zu reduzieren, berücksichtigt. Viele konnten es ermöglichen, dass ihre Kinder Zuhause bleiben oder nur an bestimmtem Tagen die Einrichtung besuchen. Wir haben nur wenig Rückmeldung von Eltern, die ihre Kinder nicht in die Notbetreuung schicken. Aber uns es ist uns schon berichtet wurden und es ist uns auch bewusst, dass es für viele Familien sehr anstrengend ist Beruf, Kinderbetreuung und Haushalt unter einen Hut zu bekommen. Unseren Respekt für die Eltern, die das jetzt zu bewerkstelligen haben.

Wie halten wird Kontakt zu den Kindern und ihren Familien?

Die Kinder erhalten Post von uns, wir informieren auf der Internetseite des Kulturvereines, es finden Telefonate mit den Kindern statt und neuerdings können wir mit Familien, die dies wünschen, über einen Email-Verteiler in Kontakt bleiben.

Werden die Kinder, wie einige Psychologen prognostizieren, unter den - Coronabedingungen leiden und Entwicklungs- oder Verhaltensprobleme aufweisen?

Das Fehlen des gewohnten Tagesablaufes, der Freunde, vielleicht auch der Großeltern, der gewohnten Freizeitaktivitäten und evtl. die stressige Familiensituation kann auch für die Kinder eine psychische Belastung darstellen.  Wir werden deshalb den Kindern nach ca. zweimonatiger Abwesenheit einen schonenden Wiedereinstieg ermöglichen, wenn unsere Einrichtung am 22. Februar den eingeschränkten Regelbetrieb aufnimmt. Den Mädchen und Jungen sollen u.a. bekannte Rituale, Regeln und Abläufe Sicherheit, die vertrauten Bezugspersonen und Freunde Geborgenheit vermitteln. Wir werden die Kinder intensiv beobachten und stehen ihnen und den Eltern für Gespräche zur Verfügung, um das Verhalten zu reflektieren.

In Hessen gibt es eine Online-Petition, die einen besseren Schutz der ErzieherInnen vor dem Coronavirus fordert. Ist diese Forderung gerechtfertigt?

Ja die Forderung ist gerechtfertigt, denn Erzieherinnen sind sehr gefährdet, da sie enge Kontakte zu den Kindern haben, die keine Maske tragen und auch mit Corona infiziert sein können. Der geforderte Abstand kann nicht eingehalten werden. Die Krankenkasse AOK hat eine Liste der am meisten infizierten Berufsgruppen erstellt. ErzieherInnen stehen da auf dieser Liste auf dem ersten Platz.

Wie könnte ein besserer Schutz aussehen?

Einen besseren Schutz herzustellen ist schwierig. Wir haben ja in unserer Einrichtung ein Hygienekonzept: regelmäßig lüften, wenn möglich Masken (dies ist jedoch bei den kleinen Kindern schwierig), immer wenn der Gruppenraum verlassen sind Masken erforderlich, häufiges Händewaschen und desinfizieren, Schichtsystem. Aber wirklich helfen würde nur, wenn alle Mitarbeiterinnen geimpft werden. In den Medien wird ja schon diskutiert die Berufsgruppe der ErzieherInnen und LehrerInnen zu priorisieren.

Wie sieht die Impfbereitschaft bei Ihren Mitarbeiterinnen aus?

Ca. 80 % der Kolleginnen wollen sich impfen lassen, 20% sind sich noch unsicher.

Wie sieht das Konzept bei sinkenden Inzidenzzahlen aus?

Wir im Kindergarten und in der Krippe freuen uns uns jetzt erst einmal auf die Mädchen und Jungen und hoffen das sich der Alltag einspielt und normalisiert. Weiterhin hoffen wir, dass alle gesund bleiben und unser „Haus der kleinen Füße“ nicht noch einmal eine Notbetreuung einrichten muss.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch wurde am 15.02.21 von Hiltrud Georg geführt.