17. Februar 2019 - Gemeinde Schwalmtal / Haupt- und Finanzauschuss / Sozialausschuss

Quelle: OZ Alsfeld, 17.02.2019 - Christian Dickel

Babyboom bringt Kita an Grenzen

Schwalmtaler Hauptausschuss berät über künftige Kindergartenplätze / Erste Entscheidung muss bereits im März fallen

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In welchen Kindergarten der Schwalmtaler Nachwuchs künftig geht, muss dringend geklärt werden. Archivfoto Kulturverein

RENZENDORF. Babyboom herrscht derzeit im Schwalmtal. Das freut zwar die Gemeinde und ihre Gremien, zwingt sie aber auch zum Handeln, weil die Kitaplätze knapp werden und spätestens ab dem Jahr 2022 könnte somit ein Anbau im Kindergarten Pusteblume in Brauerschwend unumgänglich werden.

Aber schon während der kommenden Gemeindevertretersitzung im März muss eine erste wegweisende Entscheidung getroffen werden, weil die Kita in Brauerschwend voll ist. Es herrscht Aufnahmestopp. Lediglich frei werdende Plätze durch Schulanfänger werden durch Geschwisterkinder neu belegt. Daher müssen die Gemeindevertreter entscheiden, ob sie entweder eine übergangsweise Bereitstellung von Kita-Plätzen im kirchlichen Kindergarten „Haus der kleinen Füße" in Storndorf für alle Schwalmtaler Ortsteile zur Verfügung stellen oder bereits ab kommenden Sommer - spätestens ab dem Jahr 2021 - eine vierte Gruppe in Brauerschwend neu eingerichtet wird. Darüber hinaus soll es eine Wechseloption in die neue einzurichtende vierte Gruppe aus Storndorf nach Brauerschwend geben. Unter der Woche traf sich deshalb der Haupt-und Finanzausschuss (HFA) gemeinsam mit Vertretern der beiden Kitas, um Argumente auszutauschen und Lösungsvorschläge zu unterbreiten.

„Bauen müssen wir zunächst definitiv nicht. Wir haben noch genügend Kindergartenplätze. Die Frage ist aber, wo die Kinder künftig hingehen", stellte Schwalmtals Bürgermeister Timo Georg (parteilos) voran. Im März müsse unbedingt eine Entscheidung fallen, da es Anfragen von Eltern gebe. Die Gemeinde habe ihnen bisher lediglich einen Kita-Platz zugesichert, aber eben nicht, wo der Ort sein wird.

Das Haushaltsdefizit im Bereich Kita betrage derzeit jährlich rund 600000 Euro und werde durch die zusätzliche Anzahl an Kita-Plätzen steigen. Nichtsdestotrotz sei eine qualitativ hochwertige Kindertagesbetreuung ein wichtiger Standortfaktor, um die Gemeinde für junge Familien attraktiv zu gestalten. Die Option Kinder aus allen Schwalmtaler Ortsteilen in Storndorf aufzunehmen, habe folgende Vorteile. Es entstehe kein finanzieller Aufwand für zusätzliche Ausstattung und Umbauarbeiten, ausreichendes Personal sei vorhanden und es könnte eine wirtschaftliche Gruppengröße erreicht werden. Demgegenüber ständen Nachteile, wie ein komplexer und kostenintensiver Bustransfer, eine größere Entfernung für die Kinder und Eltern zwischen Wohnort und Kita. Außerdem wäre ein späterer Wechsel der Kinder pädagogisch nicht optimal. „Ich würde als Vater ungern mein Kind aus der gewohnten Umgebung rausreißen. Daher ist die Kita-Platz-Wahl wohl für die meisten Eltern eine Entscheidung für die kommenden Jahre", merkte Georg zu einer Wechseloption an.

Für die zeitnahe Einrichtung einer vierten Gruppe in Brauerschwend sprächen die Argumente, dass die Kita in Wohnortnähe liege, kein späterer Kita-Wechsel anstehe und der Bustransfer einfacher zu bewerkstelligen sei. Gegen die Einrichtung spreche, dass anfangs nur eine sehr geringe Zahl die vierte Gruppe besuchen würde und erhebliche
Mehrkosten bei der Personalausstattung- und Planung entstünden. Des Weiteren müsse zusätzliche Ausstattung angeschafft und gegebenenfalls müssten Umbauarbeiten durchgeführt werden. Außerdem könnte der Fachkräftemangel zu Schwierigkeiten bei der Personalbeschaffung führen.

Unabhängig von der Entscheidung müsse sich die Gemeinde in den kommenden Jahren auf deutliche Personalmehrkosten einstellen. Auch die Transportkapazitäten würden in Zukunft nicht mehr ausreichen. Darüber hinaus sei die Frage noch ungeklärt, ob „kirchliches" pädagogisches Fachpersonal von Storndorf nach Brauerschwend ohne Arbeitgeberwechsel möglich sei.

Offene Entscheidung

Der Fraktionsvorsitzende der Bürgerliste Michael Schlosser betonte, dass der Kinderzuwachs erfreulich sei und die Gemeinde zumindest bis ins Jahr 2021 genügend Plätze zur Verfügung stellen könne. Jetzt müsse innerhalb der Fraktion und in Gesprächen mit den Eltern der bestmögliche Weg gefunden werden. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Harald Nahrgang wollte noch keine Empfehlung für eine der beiden Optionen abgeben, weil die Möglichkeiten zunächst innerhalb der Fraktionen besprochen werden sollen.

PROGNOSE
► Bei einer durchschnittlichen Kita-Verweildauer von fünf Jahren steigt die Anzahl der Kinder in der Kita in Brauerschwend von 69 im Jahr 2019 auf 84 im Jahr 2022. In Storndorf steigt die Anzahl von 41 (2019) auf 46 im Jahr 2022. In Summe steigt die Anzahl in den beiden Kindergärten von 110 auf 131 Kinder. (cdc)


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