16. März 2019 - Gemeindevertretung Schwalmtal

Quelle: OZ Alsfeld 16.03.2019

Schnelle Reaktion auf Babyboom in Schwalmtal

pusteblume

Der Kindergarten Pusteblume wird noch in diesem Jahr baulich erweitert, um Kapazitäten für eine benötigte vierte Kita-Gruppe zu schaffen. Foto: Dickel

STORNDORF - Große Überraschung durch die Schwalmtaler Gemeindevertreter: Die Kita Pusteblume in Brauerschwend bekommt schnellstmöglich einen Anbau. Der Haushalt wird daher zurückgestellt, weil die Kosten für die Kita-Erweiterung noch miteinfließen müssen. Die Verabschiedung des Haushaltes 2019 erfolgt erst am 3. April. Noch vor vier Wochen hatte Bürgermeister Timo Georg (parteilos) gegenüber unserer Zeitung gesagt: "Bauen müssen wir zunächst definitiv nicht. Wir haben noch genügend Kindergartenplätze."

Nach vielen Gesprächen mit Eltern, Kindergartenleitung, im Gemeindevorstand und in den Ausschüssen sei die Situation neu bewertet worden. Dem Babyboom und dem Zuzug junger Familien in die Gemeinde werde damit Rechnung getragen. Auch er habe sich eines Besseren belehren lassen, nachdem in den vergangenen Wochen immer mehr Fakten auf den Tisch gekommen seien.

"Die Entscheidung ist von fundamentaler Bedeutung für unsere Gemeinde. Plötzlich machen wir keine Mängelverwaltung mehr, sondern stellen eine Wachstumsprognose", betonte Georg. Die Einwohnerzahl entwickele sich perspektivisch positiv. "Wir haben Dinge zu bieten, die der Ballungsraum eben nicht zu bieten hat", hob Georg hervor. In den vergangenen Jahren habe er immer nur davon gehört, wie schlecht alles auf dem Land sei. Derzeit stelle sich die Situation erfreulicherweise jedoch anders da. "Wir werden Platz brauchen in der Kita Brauerschwend. Letztendlich macht es keinen Unterschied, ob wir im Jahr 2019/20 anbauen oder erst in den Jahren darauf. Jedoch entzerren wir so das Ganze und müssen nicht in einem proppevollen Kindergarten anbauen. Wir ziehen die Investition vor. Das kommt allen, die in der Kinderbetreuung tätig sich zugute", führte der Rathauschef aus.

Und weiter: "Auf der anderen Seite muss ich so ehrlich sein und sagen, dass es viel Geld kostet." Pro Kitaplatz müsse mit 300 Euro im Monat gerechnet werden. Eine Kita-Gruppe habe bis zu 25 Plätze und das seien für die Gemeinde jährliche Mehrkosten von etwa 80 000 Euro. Daher werde es extrem schwerfallen im Jahr 2020 den Haushalt auszugleichen. Daher müsse bereits jetzt über die Finanzierung gesprochen werden. "Geht es mit Einsparungen, oder müssen wir die Abgaben erhöhen?", stellte Georg in den Raum. Darüber hinaus wies er daraufhin, wie wichtig es für die Gemeinde sei, die Einwohnerzahl konstant zu halten. Jeder Einwohner bringe der Gemeinde durch die Zuweisung des Landes Hessen schließlich auch Geld. Pro Einwohner würden in etwa 1500 Euro Finanzbedarf angerechnet. "Kurzfristig sind die 80 000 Euro Mehrkosten für die Kommune eine Belastung, aber perspektivisch kommt es der Gemeinde zugute", erläuterte Georg.

Zuvor hatte der Fraktionsvorsitzende der Bürgerliste Michael Schlosser den Antrag "Bereitstellung von Kita-Plätzen in der Gemeinde Schwalmtal" erläutert. Vorab mit dem Hinweis, dass der Antrag der Bürgerliste noch in einen gemeinsamen Antrag mit der SPD umgewandelt werde, da alle der gleichen Meinung seien und zusammengearbeitet hätten. Der sofortige Anbau erfolge, weil durch ein neues Förderprogramm 90 Prozent der Kosten vom Land getragen würden. Daher müsse die Gemeinde lediglich etwa 20 000 Euro in den Anbau investieren. "Wir müssen dafür Sorge tragen, das wir jedem Kind in der Gemeinde einen Kitaplatz zur Verfügung stellen können", betonte Schlosser. Alle hofften, dass der prognostizierte Wachstumstrend über das Jahr 2022 hinaus anhalten werde. Nicht die Investition in neue Räumlichkeiten, sondern die laufenden Kosten seien eine Herausforderung. "80 000 Euro jährlich sind eine Hausnummer", ergänzte Schlosser. Bis zur Fertigstellung sollen wenn nötig Kitaplätze im "Haus der kleinen Füße" in Storndorf zur Verfügung gestellt werden. Darüber hinaus werde in diesem Fall der Kita-Bus zum Einsatz kommen, um die Eltern beim Transport zu entlasten. Außerdem sei angedacht zu prüfen, ob die Möglichkeit besteht, dass Fachpersonal aus dem evangelischen Kindergarten in Storndorf auch in Brauerschwend eingesetzt werden kann, wenn dort durch den Anbau eine vierte Kita-Gruppe eingerichtet wird.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Harald Nahrgang dankte dem Gemeindevorstand und dem Rathauschef, dass sie der Bitte der SPD nachgekommen seien und zunächst eine "sehr dezidierte Aufstellung" der künftigen Belegungszahlen gemacht hätten. Damit sei aufgezeigt worden, dass weitere Kapazitäten gebraucht werden. Er freue sich auch über den Zuzug und die wenigen Leerstände in der Gemeinde. Weil er sich inhaltlich den Ausführungen Schlossers anschloss, nutzte er die Gelegenheit, um auf die Ausbildung zum Sozialassistenten in der Max-Eyth-Schule aufmerksam zu machen. Die Gemeinde sollte die Möglichkeit nutzen, um dort die Werbetrommel zu rühren, damit Schüler ihr Anerkennungsjahr in den Schwalmtaler Kitas absolvieren. Das ersetze zwar keine Fachkraft, diese könnten aber bei einem geringen Kostenfaktor die Erzieherinnen maßgeblich unterstützen. "Wir haben die ganze Sache erst ins Rollen gebracht und sind froh, dass wir jetzt gemeinsam für unsere Kinder und für die Zukunft etwas auf den Weg bringen", sagte Nahrgang vor dem einstimmigen Beschluss.


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