15. Mai 2022 - Gemeindevertretung Schwalmtal

Quelle: OZ Alsfeld 15.05.2022

Schwalmtal: Initiative für nachhaltigeres Bauen

Der Vorschlag der Schwalmtaler Grünen für ökologische Richtlinien in Bebauungsplänen stößt sowohl auf Zustimmung als auch Skepsis.

STORNDORF - Storndorf. Die Forderung nach klimagerechteren Bauen ist ein aktuelles Thema bei Vogelsberger Lokalpolitikern. Nachdem sich bereits am Dienstag die Romröder Stadtverordneten anderweitig mit dem Thema auseinandergesetzt hatten, ist darüber nun am Donnerstag bei den Schwalmtaler Gemeindevertretern diskutiert worden.

Das Thema wird auch in Zukunft wieder auf die Tagesordnung kommen, da die Beratungen zunächst im Ausschuss fortgesetzt werden. Das beschlossen die Gemeindevertreter einstimmig. Die Grünen hatten beantragt, die Bebauungspläne auf dem Gebiet mit Fokus auf nachhaltiges Bauen zu ändern.

Grünen-Fraktionsvorsitzender Robert Riße sagte: „Wir wollen weitere Kriterien aufnehmen, die dem Klimaschutz dienen.“ Zukünftig sollte nicht nur das Baugesetzbuch verpflichtend sein, da das Klimaschutzgesetz Neutralität bis zum Jahr 2050 vorsehe. Allerdings sollte mittlerweile jeder verstanden haben, dass die Klimaneutralität früher erreicht werden müsse, es gebe keinen Planeten B. Schwalmtal sei schließlich Klimakommune und das heiße nicht nur den Genuss von Förderungen zu kommen, sondern verpflichte auch. Neubauten würden über Jahrzehnte genutzt. Wer ein neues Gebäude errichte und somit Boden versiegele, sollte dann im Betrieb klimaneutral sein. Dazu müsse die Gemeinde weitere Bestimmungen in den Bebauungsplänen vorschreiben.

Häuser sollten künftig ausschließlich im „Null- oder Plus-Energie-Standard“ gebaut werden dürfen. Das führe zwar während des Baus zu Mehrkosten, die sich aber in der Zeit der Nutzung schnell amortisierten. Außerdem werde der Hauseigentümer unabhängiger von steigenden Kosten für Wasser, Strom und andere Energieträger. Die Gemeindevertreter hätten die Möglichkeit, die Zukunft gestalten zu können und sollten dies auch tun.

Stefan Georg (Bürgerliste) meinte dagegen, dass man die künftigen Bauherren nicht in ein enges Korsett pressen sollte. Er habe zwar Verständnis für den Ansatz, setze aber lieber auf Eigeninitiative der Häuslebauer. Diese sollten vielmehr über die Möglichkeiten und langfristigen finanziellen Vorteile von klimaneutralem Bauen informiert werden. Die aktuelle Marktlage mit stetig steigenden Preisen werde wohl dazu führen, dass das Interesse an Bauland in der Gemeinde zurückgehe. Aber die Gemeinde sei mit dem Erschließen des Baugebietes Erlenacker in Vorleistung getreten. Daher sollten Interessenten nicht mit weiteren Auflagen im Vorhinein abgeschreckt werden. Die ganze Sache müsse mit dem nötigen Augenmaß angegangen werden, auch wenn es zu begrüßen sei, wenn Bauherren die von Riße formulierten Ideen umsetzen würden.

SPD-Fraktionsvorsitzender Harald Nahrgang nutze die Gelegenheit, um eine von ihm seit Längerem geforderte Variante ins Spiel zu bringen. Er würde es begrüßen, wenn bei Neubauten eine Fotovoltaikanlage verpflichtend sei. Nur dann müsse dies entsprechend geplant sein, sodass die Ausrichtung der Dächer auch den benötigten Ertrag erbringen könne. Nichtsdestotrotz stelle er fest, wenn er durch das Neubaugebiet Erlenacker laufe oder sich andere private Neubauten in der Gemeinde ansehe, dass praktisch niemand mehr auf Öl oder Gas setze. Derzeit werde nur noch mit Erdwärme oder Kraftwärmekopplung gebaut. „Im Prinzip baut jeder in einem Niedrigenergiestandard“, so Nahrgang. Weil die Gemeinde aber Satzungsrecht habe und somit gestalten könne, finde er die Grundidee gut. Um diese gemeinsam weiterzuentwickeln, stellte er den Antrag zur Weiteren Beratung und Überweisung in den Ausschuss.

Bürgermeister Timo Georg (parteilos) hatte noch drei allgemeine Anmerkungen zur Thematik. Auch wenn die Gemeinde Satzungsrecht habe, sehe er die Verpflichtung bei Bund und Land solche Dinge im Baugesetzbuch festzuhalten, damit die Regularien nicht von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich seien, sondern flächendeckend gelten. Das Zweite sei, dass sich das Baugebiet in der Zeit seines Vorgängers und zu Beginn seiner Amtszeit nur sehr schleppend entwickelt habe. Daher habe man damals bei den wenigen Interessenten Abweichungen zugelassen, um sie ins Schwalmtal zu locken. Aufgrund der hohen Nachfrage in jüngster Vergangenheit sei man überhaupt erst in der Lage, Vorgaben zu machen. Diese müssten aber immer mit Maß und Ziel sein, da es in den Nachbarkommunen noch genügend Bauplätze gebe. Der dritte Punkt sei aber ebenfalls wichtig zu wissen. Auch wenn die Gemeinde Vorgaben mache, obliege die Kontrolle der Umsetzung bei der Bauaufsichtsbehörde des Vogelsbergkreises. Diese habe aber gar nicht die Kapazitäten, um im Nachhinein die detailgenaue Umsetzung zu überprüfen.


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