16 März 2019 - Porträts und Personalien

Quelle: OZ Alsfeld 15.03.2019

"Große Ehre für mich"

Erfinder und Unternehmer Jürgen Stehr nimmt auf dem "roten Sofa" bei Professor Beutelspacher Platz. Über 70 Patente hat Stehr in seinem Leben schon angemeldet, eines hebt er besonders hervor.

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Jürgen Stehr hat über 70 verschiedene Patente angemeldet. Foto: Stehr Baumaschinen

STORNDORF - Mit über 70 angemeldeten Patenten hat sich der Storndorfer Erfinder und Unternehmer Jürgen Stehr weit über die Grenzen des Vogelsbergkreises hinaus in der Baubranche einen Namen gemacht. Als bislang wichtigste Patent nennt Stehr seinen Plattenverdichter. "Das ist eine der größten Erfindungen auf dem Bausektor. Wir haben eine Lösung gefunden, an der sich große Firmen lange erfolglos versucht haben", hebt er hervor.

Am 27. März um 18.30 Uhr ist Stehr auf dem "roten Sofa" im Mathematikum in Gießen bei Professor Albrecht Beutelspacher zu Gast und wird dort vor Gästen insbesondere über diese Erfindung sprechen. "Die Einladung von Herrn Beutelspacher ist eine große Ehre für mich", betont Stehr. Das Mathematikum in Gießen sei ein international sehr angesehenes Science Center, das jährlich etwa 120 000 Besucher anziehe. Die diesjährige Jahresausstellung sei dem Vordenker Leonardo da Vinci anlässlich seines 500. Todestages gewidmet.

Über seine Plattenverdichter berichtet er vorab im Gespräch mit unserer Zeitung über die Schwierigkeiten bei der Markteinführung. Vogelsberg Consult habe in seinem Auftrag Finanzierungspläne und einen Imageplan erarbeitet. Alles was darin gestanden habe, habe sich mittlerweile bewahrheitet. Jedoch habe damals eine Bank die Finanzierung mit der Begründung abgelehnt, dass nur große Firmen eine solche Erfindung machen und umsetzen könnten. "Das hat mich damals sehr getroffen, und ich habe sie später einmal eigenhändig bei mir rausgeschmissen", erinnert sich Stehr. Er habe dem Kreditinstitut mitgeteilt, dass er ohnehin nicht mit einem Unternehmen zusammenarbeiten wolle, wo sich die Staatsanwaltschaft mittlerweile ein eigenes Büro eingerichtet habe. Das habe sein Unternehmen eine Viertelmillionen Euro an Zuschüssen gekostet. "Aber wir haben es trotzdem geschafft", freut sich Stehr.

Mittlerweile würden einige Straßenbauämter und Ingenieurbüros sogar teilweise den Einsatz seines Plattenverdichters vorschreiben, und er sei weltweit im Einsatz. Sein Plattenverdichter löse gleiche mehrere Probleme. Umgebungsschwingungen wie bisher bei im Straßenbau eingesetzten Geräten gebe es mit seinem Plattenverdichter nicht mehr. Jeder habe schon einmal bemerkt, dass beim Verdichten mit bekannten Verdichtungsgeräten die ganze Umgebung bebe. Dadurch seien schon oftmals Schäden an Häusern oder elektronischen Geräten entstanden. Seine Erfindung führe zu kaum merkbaren Erschütterungen im Umfeld. Darüber hinaus benötige seine Maschine 50 Prozent weniger Kraftbedarf, 50 Prozent weniger Schadstoffausstoß und bringe die dreifache Leistung. "Das hat sogar das Europäische Patentamt überzeugt, das uns als Anerkennung dafür 2017 ein Europäisches Patent erteilte", betont Stehr. Erfolgreich im Einsatz war die Erfindung bereits in unmittelbarer Nachbarschaft beim Bau der Ortsdurchfahrt Strebendorf. "Und das alles ohne merkbare Schwingungen in der Umgebung. Das konnte anhand eines in unmittelbarer Nähe an der Verdichtungsmaschine platzierten vollen Wasserglases eindrucksvoll unter Beweis gestellt werden", berichtet Stehr.

KINDERKREBSKLINIK

Über den Besuch des Schwalmtaler Unternehmers im Mathematikum dürfen sich auch die Kinderkrebsklinik Gießen und insbesondere ihre Patienten freuen. Stehr wird den Rahmen nutzen, um eine Spende in Höhe von 7000 Euro für krebskranke Kinder zu überreichen. Das habe er Beutelspacher in einem Vorgespräch am gestrigen Donnerstag mitgeteilt. Vor Kurzem feierte Stehr Geburtstag und wünschte sich Spenden statt Geschenke. 5000 Euro kamen zusammen und Stehr legt selbst noch einmal 2000 Euro aus eigener Tasche drauf.


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