22. September 2019 - Porträts & Personalien

Quelle: OZ Alsfeld 18.09.2019 / Von Linda Buchhammer

Start mit Staubsauger

Barbara Heinz aus Schwalmtal/Vadenrod ist Tanz-Dozentin an der Volkshaochschule / "Bewegung und Tanz fördern Körper und Geist"

barabara heinz small

VOGELSBERGKREIS. „Und wenn sie tanzt", spielt für Barbara Heinz aus Schwalmtal eine besondere Lebensmelodie: „Ich befinde mich im Nachmittag meiner Lebensphase und darf jetzt die Ernte meiner Arbeit einfahren", öffnet die lebensfrohe Frau und Dozentin der Volkshochschule des Vogelsbergkreises im Gespräch mit unserer Zeitung recht anschaulich ein langjähriges Kapitel ihres Wirkens.

Heinz ist ausgebildete Bewegungsund Tanzpädagogin, ganzheitliche Gehirn- und Gedächtnistrainerin, Qi Gong-Lehrerin und vhs-Lehrkraft mit Erwachsenenpädagogischer Qualifizierung des Hessischen Volkshochschulverbandes. Barbara Heinz arbeitet mit Kindern und Erwachsenen mit und ohne Handicap in Behinderteneinrichtungen und Einrichtungen für psychisch Kranke genauso gerne wie in ihren Kursen der vhs, in Senioreneinrichtungen, bei Vereinen oder in Projekten. Und dabei bringt sie Energie, Lebensfreude, Persönlichkeit sowie Begeisterung für körperliche und geistige Bewegung mit. Ihre Power und Ausstrahlungskraft überzeugen, obgleich sie keineswegs zur „Jung-Spund-Generation" zählt.

„Das Alter spielt doch keine Rolle, solange man im Herzen jung bleibt", setzt Barbara Heinz dem Lebensalter kurzum entgegen. Derweil Gleichaltrige sich oftmals gemütlich zur Ruhe setzen, kurvt die Schwalmtalerin indes gut 600 Kilometer in der Woche durch die Region, um allen Teilnehmern ihrer Kursangebote in präventiver Rückschule, Qi Gong und unterschiedlicher Tanzpädagogik gerecht zu werden. 19 Gruppen an elf Einsatzorten - das erfordert Flexibilität und Durchhaltevermögen. Das geht nur mit Enthusiasmus und Überzeugung. „Ich bin Unternehmerin, und nicht Unterlasserin", bringt sie den Kern ihrer Berufstätigkeit auf den Punkt.

In Frankfurt geboren und lange Zeit gelebt, fand die Kreative vor mehr als 30 Jahren im Schwalmtal ihre neue Heimat. Wie aber lernt man am besten auf dem Land die Menschen kennen? „Im Vereinswesen und in der Volkshochschule", beschreibt sie ihre damalige Vorgehensweise, die übrigens auch in der heutigen Zeit noch immer gute Chancen zu Kontakten biete. Entgegen enger Vereinsstrukturen hatte die vhs den Vorteil, den Menschen auf neutraler Ebene zu begegnen.

Demnach wählte sie den Gang zur vhs und lief mit ihren beruflichen Qualifikationen offene Türen ein. Witzigerweise begann ihr einstiger Start in Lauterbach mit einem Staubsauger, erinnert sich Barbara Heinz an jenen prägnanten Kursabend, an dem sie mit dem damaligen vhs-Leiter im zugeteilten Raum erst einmal umherwirbelte, um den Teilnehmern ansprechende Räumlichkeiten zu schaffen. Ihr Bildungsangebot begann mit Kursen in Qi Gong (chinesische Meditations-, Konzentrations- und Bewegungsform zur Kultivierung von Körper und Geist), mit orientalischem Tanz und Tanzpädagogik für Kinder im Vorschulalter. „Das startete einst bei kleinen Laienkursen und entwickelte sich bis zur großen, ausgefeilten Aufführung im Schlosstheater Fulda", malt die Expertin in Sachen kunstvolle Bewegung ein Highlight aus.

Über 20 Jahre konnte die Therapeutin in ihrer Arbeit auch den Schwerpunkt auf orientalische Tänze legen. In den letzten Jahren habe das Interesse an den landläufig gerne als „Bauchtanz" bezeichneten Ritualtänzen jedoch nachgelassen. Entgegen des ebenfalls weitverbreiteten Irrglaubens „der Tanz basiere zur erotischen Verführung", gehe es bei dieser Form der Bewegung um weitaus mehr. „Wir sprechen über Körperkoordination, vom bewussten Wahrnehmen und Training der linken und rechten Körperhälfte, über Gesundheitsbe-wusstsein und Sozialkompetenzen, ausgedrückt in ausgestalteten Bewegungsabläufen beim kreativen Tanz. Denn Bewegung und Tanz fördern Körper und Geist auf hohem Niveau", hebt die erfahrene Dozentin deutlich heraus.

Demnach seien ihre Konzepte allesamt ausgerichtet auf die Reduktion von Stress, einhergehend mit der Entlastung von Körper und Geist. „Die Leute suchen in den Kursen das Aussteigen aus dem Alltag", sagt ihre Erfahrung. Und so geht Barbara Heinz mit der Zeit und bietet für Jung und Alt ein breites Angebot zur körperlichen und intellektuellen Bewegung. Ein Einsatz, der übrigens ihr eigenes Leben mit unbezahlbaren Werten bereichere.

Das Tanzen gebe ihr in guten wie in schweren Zeiten immer wieder die Balance, in der Mitte zu bleiben. Und dann gibt es im Schwalmtal noch den Ehepartner, der Fels in der Brandung, der Barbara Heinz viel Kraft gibt und den Rücken freihält von den Belastungen und Belanglosigkeiten des Alltags.

Des Öfteren wurde die Tanzpädagogin schon gefragt, wie lange sie noch arbeiten wolle. „Solange wie Johannes Hees-ters - bis ich umfalle", lautet ihre Antwort. Barbara Heinz ist ein aktiver Mensch getreu des Mottos „Love oder leave it". Sie wartet nicht, bis eine Veränderung geschieht, um einen Zustand zu ändern. „Entweder muss ich es ändern, dass die Situation für mich passt, oder ich muss es lassen. Man lernt doch nie aus", hat sie für sich zur existenziel-len Lebensformel gemacht.

Ihre Energie und Tatendrang kann man schon in wenigen Tagen, genau genommen am kommenden Freitag, 20. September, in der langen Nacht der Volkshochschule auf dem Gelände der vhs in Alsfeld hautnah kennenlernen. Neben einem breiten Repertoire an Ausstellungen, Lesungen, Gesundheitskursen und Livemusik bietet Barbara Heinz zum 100-jährigen Jubiläum der vhs für alle Besucher Mitmachtänze aus aller Welt an.


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