24. Februar 2023 - Heimische Wirtschaft

Quelle: OZ Alsfeld 24.02.2023 - Christian Dickel

40 Jahre Stehr Baumaschinen

Jürgen Stehr feiert in diesem Jahr das 40-jährige Bestehen seines Unternehmens in Storndorf.

Schwalmtal. Die Firma Stehr Baumaschinen hat kürzlich ihr 86. Patent erhalten. Für seinen Erfinderreichtum ist der Storndorfer Unternehmer Jürgen Stehr auch über die Grenzen des Vogelsbergkreises bekannt. In diesem Jahr feiert sein Unternehmen das 40-jährige Bestehen. Nun hatte Stehr während eines Krankenhausaufenthaltes wieder eine Idee, die es allerdings nicht zu einem Patent bringen wird. Jedoch sorgte seine Schilderung in den Sozialen Medien für hohe Aufmerksamkeit und großen Zuspruch. Ob diese auch in der Medizintechnik Anklang finden wird, scheint aber fraglich.

Um den Rückgang einer Entzündung zu kontrollieren und um zu sehen, wie das Antibiotikum anspricht, maß Stehr mehrmals täglich die Temperatur des Entzündungsherdes mit einem sogenannten „hochpräzisen Laserthermometer” (Infrarot-Thermometer) aus dem Maschinenbau. Er habe nicht auf die Ergebnisse der Blutabnahme, die alle zwei Tage stattfinde, warten wollen und stattdessen den Heilungsverlauf anhand der sinkenden Temperatur des Entzündungsherdes beobachtet, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. So habe er den Verlauf seiner Entzündung auf eine schnelle, einfache Art zusätzlich überprüfen und quasi stündlich Verbesserungen feststellen können, sagt er. Auf die Idee gekommen sei er aber nicht erst im Krankenhaus in Alsfeld, sondern bereits vorher durch die Untersuchung im Hausarztzentrum Dr. Harlfinger in Romrod. Die Ärztin Danja Hölscher habe ihm erklärt, dass seine Entzündung erhitzt sei. „Da habe ich mir gesagt, das muss man doch messen können.” Es gebe eben nicht nur im Maschinenbau noch so viel zu erfinden.

Zulassung für medizinisches Gerät

Weil die Selbstkontrolle sehr gut funktioniert habe, habe er seine Messmethode den Ärzten vorgestellt. Diese seien von der Prüfmethode begeistert gewesen. Deshalb habe er nach Beendigung seines Krankenhausaufenthaltes der Klinik zwei Geräte geschenkt und werde auch der Hausarztpraxis Harlfinger in Romrod und der Sozialstation Eichhof in der Gemeinde Schwalmtal Präzisionsthermometer schenken. Normalerweise kämen die Geräte in ganz anderen Bereichen, wie zur Temperaturmessung von Öl oder Lagern zum Einsatz. Wie er aber an sich selbst festgestellt habe, würden die mit Laser ausgestatteten Thermometer auch die Körpertemperatur genau messen. „Das ist eine ganz einfach bewährte Methode, die aber bislang noch nicht in der Medizin eingesetzt wird”, meint Stehr. Selbstverständlich habe er die Geräte nicht erfunden und es gebe zahlreiche Modelle auf dem Markt, die zumeist für wenige Euro in China produziert und verkauft würden. Er habe lediglich eine weitere Anwendungsmöglichkeit gefunden und wolle darauf aufmerksam machen.
Mit einem Filzstift markiert Jürgen Stehr eine Stelle auf der Haut in direkter Umgebung des Endzündungsherdes. Hier misst er regelmäßig mit einem „ hochpräzisen Laserthermometer”, wie sich die Temperatur an dieser Stelle verändert.

Dass medizinische Geräte eine entsprechende Zulassung brauchen, wisse er zwar auch, sehe aber kein großes Problem darin, die Thermometer zur Selbstkontrolle zu verwenden. „Natürlich muss in Deutschland alles genormt sein, daher ist es schon wahrscheinlich, dass sie nicht zugelassen werden”, räumt Stehr ein. Näheres dazu findet sich beispielsweise auf der Homepage des Gesundheitsministeriums zu den Marktzugangsvoraussetzungen für Medizinprodukte.

Auflagen zur Zulassung kenne er aus seiner Branche, dem Maschinenbau, zur Genüge. Hier habe er schon viele Streitigkeiten ausgefochten und oft Recht bekommen. Bestes Beispiel sei sein jüngstes Patent, die Kabelfräse (Europa Patent mit der Bezeichnung „Vorrichtung und Verfahren zum Verlegen von Kabeln und Leitungen im Boden“ mit der NR. EP 3670759). Hier habe die sogenannte Telekommunikationsnorm verlangt, dass der Kabelgraben mindestens 35 Zentimeter breit sein müsse. „Aber diese Normung habe ich kaputt gemacht. Für ein fingerdickes Kabel reicht doch ein zehn Zentimeter breiter Graben”, sagt Stehr. Dass er den Rechtsstreit gewonnen habe, passe den Interessenverbänden ganz und gar nicht. Jedoch müssten für das Verlegen von Glasfaser und durch den massiven Ausbau Erneuerbarer Energien Unmengen an neuen Kabeln in den Boden. Dazu brauche es eben eine möglichst effiziente Lösung, die schnell gehe, kostengünstig sei und zudem jede Menge Energie einspare. Seine Erfindung ermögliche, das direkte Verlegen des Kabels in den Boden mit gleichzeitigem Wiederverschließen. Dabei werde das Material im Boden zerkleinert, sodass ein Quetschen durch schwere Steine ausgeschlossen sei. Auch darüber, dass seine Erfindung reibungslos funktioniere, habe das europäische Patentamt entschieden.

Grundstein vor 40 Jahren gelegt

„Wer für die Zukunft nichts verändern will, der wird das verlieren, was er erhalten möchte“, hat Stehr zu seinem Lebensmotto gemacht. Den Grundstein für seinen Unternehmenserfolg habe er vor 40 Jahren, im Jahr 1983, in einer kleinen Maschinenhalle in Storndorf gelegt. Angefangen habe es mit dem Handel von Minibaggern. Hierfür sei er anfangs oft belächelt worden, aber heute seien die Maschinen überall anzutreffen. Diesen Trend habe er damals frühzeitig erkannt. Schon damals habe er an Anbaugeräten getüftelt, die ersten seien Zusatzlöffel für die Minibagger gewesen. Die ersten patentierten Maschinen hingegen hätten das Werksgelände in Storndorf erst im Jahr 1989 verlassen. Mitte der neunziger Jahre habe man bei Stehr erkannt, dass Traktoren in der Zukunft einen hohen Stellenwert am Bau einnehmen werden. Daher seien Abbaugeräte wie Bodenstabilisierungsfräsen für Traktoren entwickelt worden.Dass seine vielen Ideen nicht nur bloße Spinnereien seien, zeige sich an den teils internationalen 86 Patenten. Als seine bislang größte Erfindung bezeichnet der Storndorfer ein Verdichtungsgerät für Straßen und Tiefbau, das mit 50 Prozent weniger Energieeinsatz mehr als die doppelte Leistung bringe. „Über drei Jahre hat es gedauert, bis das Patent seinen Durchbruch schaffte und europaweit patentiert wurde”, blickt Stehr zurück. Der Clou sei, dass es im Gegensatz zu herkömmlichen Verdichtungsmaschinen keine ungewollten Schwingungen in der Umgebung gebe. Das koste nicht nur viel Energie, sondern führe auch zu Schäden beispielsweise an nahestehenden Häusern im Straßenbau.

Mittlerweile gehöre sein Unternehmen zu den besten 1000 mittelständischen Unternehmen in Deutschland. Das alles sei aber nur möglich geworden, weil er auf einen begabten, hochmotivierten Mitarbeiterstamm zurückgreifen könne. Darunter seien viele im eigenen Haus ausgebildet worden.

Christian Dickel

 

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