29. März 2015 - Blick zurück / Storndorf unter Beschuss

1945:  Storndorf zwischen Krieg und Frieden

Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag 1945: Storndorf unter Beschuss

Informationen von Heinrich Keißner, Friedhelm Linn und Karl Reul

Vor genau 70 Jahren, in der Nacht vom 29. März 1945 (Gründonnerstag) und dem 30. März 1945 wurde Storndorf aus Richtung Lauterbach unter Beschuss genommen, allerdings nicht direkt der Ort. Die Treffer schlugen hauptsächlich im Bereich des heutigen Neubaugebietes am Hohen Rain und Hochstraße ein. Aufgrund ihrer Luftaufklärung waren die Amerikaner  über die Truppenbewegungen der deutschen Wehrmacht im Bereich Storndorf gut informiert. Offenbar wollten die Amerikaner keinen Schaden unter der Zivilbevölkerung anrichten und lediglich abtesten, ob eine Reaktion der deutschen Wehrmacht erfolgt. Dies war nicht der Fall.

Karl Reul suchte mit seiner Familie Schutz im Keller. Mit dabei war auch eine junge Frau, die als BDM-Mädchen im Ort ihr Pflichtjahr ableistete. Karl kann sich erinnern, dass die Beschießung etliche Stunden lang anhielt. Am nächsten Tag, als der Pulverdampf verraucht war, suchte er mit Kameraden das beschossene Gebiet auf und konnte dort die Einschusslöcher sehen. Karl nahm einen Blindgänger mit nach Hause, hantierte daran, bis sich ein Schuss löste, der das Forsthaus traf. Karl selbst kam ungeschoren davon.

Am Abend des Gründonnerstags war August Rausch mit seinem Pferdefuhrwerk im Auftrag des deutschen Militärs unterwegs, um Materialien Richtung Hersfeld zu transportieren. Auf der Rückfahrt konnte er nicht mehr die Hauptstraße von Renzendorf nach Storndorf befahren, weil diese auch unter Beschuss lag. Er nahm deswegen den Weg über Liederbach, Merschröder Teich und Stümpe. Auf dem Alten-Alsfelder-Weg gelangte er schließlich zurück in seinen Heimatort.

Wie oben bereits erwähnt, wurde der Ort direkt nicht beschossen. Allerdings schlug direkt vor dem Anwesen Keißner, Vadenröder Straße eine Granate ein. Sie landete in der Jauchegrube, weswegen ihre Wirkung wahrscheinlich etwas gedämpft wurde. Der Einschuss hinterließ jedoch deutlich Schäden am Haus. In der Haustüre war ein großes Loch, ebenso in der Stallmauer. Eine Kuh bekam einen Splitter ab und konnte deswegen für einige Zeit nur noch auf drei Beinen stehen. Sämtliche Fensterscheiben gingen zu Bruch. Vor dem Haus stehende Telefonmasten wurden auch beschädigt.

Eine weitere Granate traf einen Schuppen hinter dem Wohnhaus der Keißners. Ein sich dort befindender Schafbock bekam ebenfalls einige Splitter ab und ein Blecheimer wurde völlig durchsiebt. Diesen Eimer bewahrten die Keißners noch einige Jahre auf, als Erinnerung an die Ereignisse gegen Kriegsende. Auch der Bereich des heutigen Hirschetreppchens wurde von einer Granate getroffen.

Am frühen Morgen, als der Beschuss aufgehört hatte, wagten sich die Keißners aus dem Haus und flüchteten zu dem nahegelegenen Nachbarhaus der Familie Schaub (Hilljes). Nach 1 bis 2 Stunden kehrten sie jedoch wieder nach Hause zurück als klar war, dass der Beschuss endgültig aufgehört hatte.

Nachdem die Keißners eine weiße Fahne herausgehängt hatten, machten sich daran, die Spuren des Beschusses zu beseitigen. Es war jedoch nicht einfach, Fensterglas zu bekommen. Mutter Keißner erhielt einige Scheiben von Lissbergers und „Uweschs Marich", die Mutter von Willi und Hildegard Georg, die Großmutter von Hansi und Torsten Georg, trennte sich vom Glas eines Bilderrahmens. Viele Fenster mussten die Keißners vorübergehend mit Brettern zunageln.

Später erzählte ein deutschsprachiger Amerikaner den Keißners, dass der Beschuss von der Bilskuppe bei Maar aus vorgenommen worden sei. Ob sich der Beschuss des Anwesens Keißner daraus ergab, dass sich am Abend zuvor viele deutsche Soldaten auf dem Hof aufgehalten hatten, oder ob die Treffer nur aus "Versehen" eingeschlagen waren, konnte nicht geklärt werden.

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